Vorwort zum Rigveda

Wer sich mit asiatischer Religion und Philosophie beschäftigt, hat meistens das Problem, das viele Texte nicht in deutscher Sprache erhältlich sind. Beim Rigveda ist dies anders. Kein Werk der asiatischen Quellentexte dürfte so gut bearbeitet worden sein wie der Rigveda.

Beim Rigveda handelt es sich um eine Textquelle, an Hand derer man die Entwicklung der hinduistischen Religion von den Ursprüngen der Naturverehrung bis zur Entfaltung eines Götterpantheons sehr gut verfolgen kann. Darüber hinaus ist die lyrische Qualität der Lieder ein wahrer Genuß, und ein Ausdruck von tiefer Verehrung der Natur und den ihr zugeordneten Gottheiten. Der suchende Leser wird, gründliches Lesen und rechtes Interpretieren vorausgesetzt, eine große Vielfalt hinduistischer, buddhistischer und sogar christlicher Weisheiten wiederfinden. In der Gesamtbetrachtung können sogar Tendenzen zur Vereinheitlichung aller religiösen Richtungen festgestellt werden.

Der vorliegende Rigveda beruht auf einer Übersetzung der Originaltextquellen. Es handelt sich also um eine sehr authentische Arbeit, die sich am Rigveda von Karl-Friedrich Geldner aus dem Jahre 1923 orientiert.

Die Arbeit von K.F.Geldner möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben. Ohne seine Übersetzung wäre auch meine Neubearbeitung nicht möglich gewesen.

Im Gegensatz zu Geldners Werk habe ich bei dieser Bearbeitung auf sämtliche Kommentare verzichtet, um den ursprünglichen Text in seiner schönen Lyrik unbeschwert und unvoreingenommen dem Leser zur Verfügung zu stellen. Weiterhin wurden in dieser Fassung alle Textwiederholungen ausgeschrieben und nicht durch einfache Angabe der Lied- und Versnummer ersetzt. Auch dies dient dem flüssigeren Lesen, ohne lästiges Nachschlagen der Originalstellen. Auf Wortstellungen in Klammern wurde, soweit möglich, verzichtet, wo dies unter Berücksichtigung der Logik möglich war. Die Transliterationen wurden ebenfalls um der Authentizität und Lesbarkeit willen übernommen. Eine kurze Leseanleitung folgt weiter unten.

Um die Ursprünglichkeit des Textes zu gewährleisten, wurde auf die neue deutsche Rechtschreibung verzichtet.

Ich wünsche also dem geneigten Leser, dem Studierenden und dem Suchenden einen ungetrübten Genuß bei der Arbeit mit diesem Quellentext.

Aussprache der Sanskritwörter

Vokale mit übergestelltem Querbalken ( z.B. a) werden lang gesprochen, auch e und o werden immer gedehnt gesprochen. Buchstaben mit untergestelltem Punkt (z. B.r, s) werden mit leichtem i-Nachschlag ausgesprochen, wobei das s meist wie schi ausgesprochen wird. Das h hinter den Konsonanten wird gesondert ausgesprochen (also p-hala, nicht fala). Das n wird wie ng, das c wie tsch, j wie ein stimmhaftes dsch gesprochen. Das y wird wie das deutsche j, und das v wie das deutsche w gesprochen.

Berlin, September 2004
© copyright by: thombar(at)gmx.de